Zwift National Championships

Zwift, die führende Plattform für Indoor-Radfahren hatte heute erstmals zu den Nationalen Meisterschaften aufgerufen. In den 15 Ländern mit den meisten Zwift-Mitgliedern wurde der Landesmeistertitel ausgefahren. Die Sieger/innen dürfen ihrem Zwift-Avatar ein Jahr lang ein spezielles Meistertrikot in Landesfarben überstreifen. Knapp 300 Starter aus Deutschland gingen um 10.30 Uhr auf die 3 Watopia Volcano Climb Runden über insgesamt 68km und 600hm.

Meine Befürchtung, dass hier unbekannte Wattmonster mit unrealistischen Leistungswerten aufschlagen würden, bestätigten sich zum Glück im Wesentlichen nicht. Der Start verlief zwar wie erwartet heftig (1 Minute „Fullgazzz“), danach bildete sich aber eine ca. 50-köpfige Spitzengruppe, die ein gleichmäßiges Tempo anschlug, was mir altem Mann sehr entgegen kam. Über den ersten Volcano Climb konnte ich mich Dank eines „Feather Power Up“ in 6:37min in der dann auf etwa 20 Fahrer geschrumpften Spitze halten. Die Gruppe  blieb zusammen, fuhr schön gleichmäßig und auch im zweiten Volcano Anstieg (6:46min) konnte ich dranbleiben. Wir hatten mittlerweile einen Vorsprung von über 3 Minuten auf die ersten Verfolger und es war klar, dass die Gruppe nicht mehr eingeholt werden würde. Genauso klar war mir, dass eine Vorentscheidung im dritten Vulcano Climb fallen und mein Schicksal dort besiegelt werden würde.

Mir waren nur wenige Fahrer aus der Spitzengruppe bekannt: Zu allererst natürlich mein VISION-Teamkollege Johannes Herrmann aus Lindenberg im Allgäu, der 2015 und 2016 für mein IRL-Team RSC AUTO BROSCH Kempten fuhr, ein junger, sehr starker A-Fahrer und mein Favorit für das Rennen. Mit dabei waren auch Thomas Jendrusch von den RuhrRiders und Topias Thomsen vom Team WBR, beides bekannte, erfahrene und erfolgreiche Rennfahrer auf Zwift.

Wie befürchtet zog das Tempo im dritten Volcano Climb an und ich konnte die Pace der jungen Burschen an der Spitze nicht halten. Mit einer Zeit von 7:16min ging ich abgeschlagen als 16ter über den KOM. Die Position konnte ich bis ins Ziel halten und nach ein paar DQs wegen ZADA, ZP und fehlendem HRM fiel am Ende nach einer Fahrzeit von 1:33:47h ein 13ter Platz ab. Damit bin ich dafür, dass es keine Altersklassen-Wertung gab, ganz zufrieden. 🙂 Deutscher Meister wurde nach der nun (04.03.2018) offiziellen Wertung Johannes Herrmann vor Thomas Jendrusch und Sven Dunker. Herzlichen Glückwunsch!

P.S.: Interessante Gewichtsentwicklung bei dem Fünftplatzierten „HS“ (https://www.zwiftpower.com/profile.php?z=68344):
77kg bis 15.04.2017,
70kg ab 22.04.2017 bis 03.08.2017,
67kg ab 22.08.2017 bis 12.09.2017,
60kg ab 05.10.2017 bis 02.11.2017 und
65kg ab 06.11.2017.
Da kann man nur sagen: Trag Deinen echten Namen und Dein echtes Gewicht ein oder verschwinde aus den Zwift-Rennen.

Elite Quick-Motion Rollers

Winterzeit – Rollenzeit. Fahren auf der Rolle boomt derzeit, insbesondere Dank dem Erfolg der Zwift-Software. Die meisten benützen einen Trainer, bei dem der Hinterbau des Rads fixiert wird. Damit steht das Rad stabil, umfallen ist ausgeschlossen. Ursprünglich gab es nur sog. freie Rollentrainer: zwei Rollen, zwischen denen das Hinterrad lief und die mit einem Gummi-Riemen mit einer dritten Rolle für das Vorderrad verbunden waren. So habe ich zu meiner aktiven Zeit in den 80ern im Winter trainiert. Solche Rollen gibt es nach wie vor und obwohl ich auf Zwift und Rouvy bislang ausschließlich die Direct-Drive-Trainer Wahoo Kickr und Tacx Neo gefahren bin, habe ich die freie Rolle in Gestalt der Elite Quick-Motion wieder entdeckt.

Vorteile: Die Rolle ist mit derzeit unter 300,- EUR (Marktpreis)  erschwinglich,  lässt sich auf diverse Radstände einstellen, benötigt weder Strom noch Internet und lässt sich in Sekundenschnelle überall auf- und abbauen und wieder auf ein handliches Packmaß (45 x 52 x 30 cm bei 11,5kg) zusammenklappen. Außerdem kann man jedes Bike darauf stellen ohne sich um Ritzelanzahl, Achssystem etc. Gedanken machen zu müssen. Mangels Fixierung schult die freie Rolle das Gleichgewichtsgefühl und stärkt die Muskulatur, die dafür notwendig ist. Die Geräuschkulisse ist auch bei höheren Intensitäten bescheiden. Wie sich die Elite Quick-Motion zusammenklappen lässt, zeigt nachstehendes Hersteller-Video und es geht tatsächlich sehr schnell: Schalter umlegen, Rändelschraube lösen und vordere Rolle auf die hinteren Rollen umklappen.

Nachteile: Für Anfänger kann das Fahren auf der freien Rolle durchaus herausfordernd sein, da es eine weitaus höhere Konzentration erfordert als eine fixierte Rolle. Am Anfang empfiehlt es sich, die Rolle in einem Türrahmen o. ä. aufzubauen, damit man sich auf beiden Seiten abstützen kann. Außerdem ist es deutlich schwieriger, verschiedene Trainingssituationen (Wiegetritt, Sprints, Widerstandsänderungen, freihändig Fahren, etc.) zu simulieren. Rennen fahren auf Zwift ist mit einer freien Rolle nicht wirklich sinnvoll: es fehlt die Widerstandsänderung je nach Streckenprofil und man kann nur schwer auf Rennsituationen reagieren. In erster Linie hat man genug damit zu tun, sich auf dem Rad zu halten…

Die Elite Quick-Motion Rolle relativiert einige Nachteile der freien Rolle. Zum einen bewegt sie sich beim Fahren je nach Trittleistung etwas nach vorne und hinten und sorgt damit somit für ein sehr realistisches Fahrgefühl. Zum anderen sind die Rollen „parabol“ geformt, d.h. der Durchmesser nimmt an den Enden zu, so dass man von dort wieder zurück in die Mitte der Rollen geführt wird, und der Widerstand der Rolle lässt sich auf drei Stufen einstellen:
Stufe 1 ist für ein Rekom- / Grundlagentraining geeignet, Stufe 2 für ein GA1/GA2-Training und auf Stufe 3 muss man schon kräftig treten, um die Rollen in Bewegung zu halten. Für Maximalleistungen jenseits 500 Watt ist die Rolle weniger geeignet. Ist mir zumindest zu gefährlich. Leider lässt sich der Widerstand nicht während der Fahrt ändern.

Ich fahre mit einem Pedal-Powermeter auf der  Rolle und damit ist die Verwendung von  Zwift, Rouvy, etc. kein Problem. Alternativ kann man die Rolle mit dem Elite Misuro B+ Sensor (Straßenpreis ca. 50,- EUR) verbinden und Geschwindigkeit, Trittfrequenz und Leistung per Bluetooth oder Ant+ Standard auslesen. Empfehlen kann ich diese Art der Leistungs-Messung aber nicht. Obwohl Elite mit der Zwift-Kompabilität der Quick-Motion Rolle wirbt, lassen sich der Anleitung des Misuro B+ Sensors keine Einstellungshinweise für diese Rolle entnehmen. Nach zahlreichen Versuchen unter Vergleich mit den Werten der Favero Assioma PM-Pedalen hat sich die Einstellung 8 des Misuro B+ bei Widerstandsstufe 2 der Quick-Motion als am realistischsten herausgestellte. Alle anderen Einstellungen wiesen viel zu hohe Leistungswerte auf.

Mit der My E-Training App bietet Elite eine kostenlose App für IOS und Android an, mit der sich verschiedenste Trainingsprogramme abfahren und alle relevanten Daten aufzeichnen und exportieren lassen. Eine erweiterte Desktop-Software für Windows und MacOS ist kostenpflichtig.

Mir gefällt die Elite Quick-Motion. Sie bringt Abwechslung in das Rollentraining, lässt sich flexibel benutzen und ist für das Gebotene ihr Geld wert.

Rouvy Indoor Cycling

Trotz all der Zwift-Hype, die derzeit grassiert, lohnt sich ein Blick auf alternative Indoor-Trainingssoftware, z. B. Rouvy. Hier fährt man nicht in virtuellen Welten, sondern per Video echte Strecken nach, wobei das Video so schnell oder langsam abläuft, wie man selbst tritt. Bei Verwendung eines Smart-Trainers passt sich der Widerstand wie bei Zwift dem Gelände an. Die errechneten Geschwindigkeiten kommen dem Fahrerlebnis draußen recht nahe, nur die abrupten Änderungen beim Steigungswechsel könnten etwas harmonischer sein.

Vorteil: Man sieht und fährt Strecken, die man vielleicht schon mal gefahren ist, fahren will, oder die man sich anschauen will, ohne dorthin reisen zu müssen. Die meisten Klassiker wie Alp d’Huez, das Stilfser Joch oder die Sella-Runde können so von zu Hause aus erkundet werden. Man kann auch eigene Strecken erstellen – mit eigenen GPS-Daten und eigenen Videoaufnahmen. Über 1.500 Strecken (nicht alle mit Video) stehen aktuell zur Auswahl und es werden täglich mehr. Auch dutzende von Workouts sind verfügbar, darunter solche für die legendären Sufferfest-Videos oder von Hunter Allens Peak Coaching Group.

Nachteil: Der „Game“-Effekt von Zwift fehlt. Es gibt keine Avatare, keine Materialauswahl, keine Leadertrikots und keine Powerups. Man fährt grundsätzlich alleine. Windschattenfahren entfällt. Man kann sich zwar im „Rennmodus“ mit Zeiten anderer Rouvy-Nutzer messen und bei (sehr schwach besuchten) Online-Rennen in Echtzeit gegen andere Rouvy-Nutzer antreten, mit dem sozialen Aspekt von Zwift (Chatten, Gruppen-Ausfahrten, Team-Events, Rennen etc.) kann Rouvy aber bei Weitem nicht mithalten.

Dafür gibt es ein Trainingstagebuch, in welches auch andere Einheiten außerhalb von Rouvy geladen werden können, einen Karrieremodus und permanente Challenges mit Gewinnspielen. Z. B. wird derzeit ein Wahoo Kickr mit der Wahoo Climb Erweiterung verlost. Eine ausführliche Analyse der Trainingsdaten ist ebenso enthalten wie der (auf Wunsch) automatische Export zu anderen Trainingsplattformen wie STRAVA oder TrainingPeaks.

So sieht die umfangreiche Auswertung einer Fahrt aus:

Was Rouvy für mich interessant macht, ist die Möglichkeit, richtig lange Anstiege (Pässe) nachzufahren. Zwift hat derzeit nur den Radio-Tower-Climb mit schlappen 550 Höhenmetern zu bieten. Und es ist durchaus reizvoll, prominente Strecken zu erkunden, die man noch nicht kennt, bzw. auf die man sich für ein Event „in real life“ vorbereiten möchte. Train on Rouvy, race on Zwift. 😉

Rouvy kostet derzeit mindestens 8 EUR monatlich und ist verfügbar für Windows-PC, IOS und Android. Es kann zwei Wochen lang gratis ausprobiert werden. Für das Gebotene, insbesondere die zahlreichen Strecken-Videos, ein m. E. angemessener Preis.