Abruzzen statt Allgäu

In meinem Innersten bin ich ja ein halber Italiener. Schon als Kind regelmäßig mit den Eltern dort im Urlaub gewesen zieht es mich nach wie vor nach „Bella Italia“. Klima, Landschaft, Leute und nicht zuletzt das gute Essen üben eine magische Anziehungskraft aus. Und dann ist Italien ja auch noch das Mutterland des klassischen Radsports. Deswegen fand der Familienurlaub heuer in Francavilla al Mare südlich von Pescara an der Adriaküste in der Region Abruzzen statt.
francavillaDieses Jahr nahm ich kein Rennrad sondern ein MTB mit, auch wenn ich mangels brauchbarer Offroad-Tracks vorwiegend auf Asphalt fahren wollte. Die Nebenstraßen in den Abruzzen weisen nämlich gerne die eine oder andere Überraschung in Form von Sand, Rillen, Absätzen und Schlaglöchern auf, die das Fahren mit den dünnen Rennradreifen etwas anstrengend machen. Gewohnt haben wir im Hotel Punta de l‘ Est direkt am Strand. Ein kleines, familiär geführtes Haus mit freundlichem Personal, einem Radschuppen mit Werkstatt und ausgezeichneter, typisch italienischer Küche, was sich bei mir auch prompt gewichtstechnisch „positiv“ auswirkte. Unter den Gästen waren hauptsächlich Italiener und nur wenige Deutsche, die aber nicht unangenehm auffielen. Das Frühstück konnte mit freiem Blick zur Küstenstraße eingenommen werden, wo im Minutentakt Rennradfahrer vorbei rollten, einzeln oder in kleinen oder größeren Gruppen, ausnahmslos in schicken einheitlichen Trikot-Hosen-Kombinationen auf bitzblanken Rennmaschinen, von nagelneuem Hightech bis zu Rädern aus der Zeit Fausto Coppis im Originalzustand. Unter den Radfahrern waren auffallend viele Senioren bis weit über 60, aber auch Kinder und Jugendliche mit Trainer auf dem Rad oder mit Begleitfahrzeug. Sehr schön anzusehen und die Stylepolice hat hier absolut keinen Auftrag.
Selber gefahren bin ich natürlich auch, kleine Runden von 2-3 Stunden, und wenn man sich mal ein wenig auf der Karte orientiert hat, findet man viele schöne Nebensträsschen, die hinauf zu zahlreichen kleinen Ortschaften auf 200 – 300m hoch gelegenen Hügeln führen: Miglianico, Ripa Teatina, Bucchanicio, Villamagna etc. sind nicht nur klingende Namen sondern sehenswerte Vertreter dieser Art mit alten Ortskernen, engen Gassen und schönen Ausblicken. Radfahrer trifft man dort allerdings kaum. Die Mehrheit der Italiener fährt lieber an der Küste entlang oder auf den überwiegend flachen Hauptstraßen im Tal. Die Einheimischen, die ich dort getroffen habe, waren alle sehr freundlich, gesprächig und relaxed, obwohl ich ja auf einem MTB unterwegs war. Kein Vergleich mit so manchem hiesigen Rennradfahrer, für den es die Höchststrafe zu sein scheint, wenn ein MTB-Fahrer in seinem Windschatten mitrollt, oder ihn gar überholt.

Musik: 2Inventions – Lonelyness

Ganz besonders gefreut hat mich die Bekanntschaft mit Valentino Ciaspone, einem sehr sympatischen und hilfsbereiten Local aus Torrevecchia, dem ich beim Intervalltraining einen örtlichen Strava KOM „gestohlen“ hatte, der deshalb Kontakt mit mir aufnahm und der mich am letzten Urlaubstag im Hotel mit vier netten Kollegen vom MTB Team Bike Pro Chieti zu einer tollen und unterhaltsamen Trail-Tour abholte. So kam ich nach 12 Straßeneinheiten doch noch zu einer richtigen Bike-Runde. Mille Grazie! Wer mit dem MTB in der Gegend von Pescara ist, kann sich gerne mit ihm unter ciaspone@tin.it in Verbindung setzen.