Abruzzen da capo

baschtl+ciaspone800Im Sommerurlaub 2013 hatte ich über STRAVA den Italiener „Ciaspone“ kennengelernt, eine sehr sympathische lokale Bikegröße meiner Altersklasse aus Torrevecchia im Hinterland von Pescara. Wir blieben in Kontakt und vergangenes Wochenende lud er mich zu einer „STRAVA-Party“ zu sich nach Italien ein. Untergebracht wurde ich in einer großzügigen Strandwohnung in Francavilla direkt am Meer und von Donnerstag bis Sonntag hatte er ein prall gefülltes MTB-, Rennrad- und Rahmenprogramm vorbereitet. 🙂
Über den faszinierenden Nightride durch Chieti habe ich ja bereits in bewegten Bildern berichtet. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass wir auf der Runde auch einen lokalen Winzer mit leckerer Weinverkostung und eine Bar mit typisch italienischer Tomaten-Schinken-Brot Zwischenmahlzeit und Bier (?) besuchten.

siseAm Freitag zeigt mir „Ciaspo“ auf dem Rennrad dann das bergige Hinterland der Majella, einem Bergmassiv inmitten eines Nationalparks mit Bergen bis zu knapp 2.800m Höhe. Ganz so weit hinauf kamen wir nicht, dafür durfte ich in dem antiken Städtchen Guardiagrele die lokale Spezialität „Sise delle Monache“ kennenlernen, eine überaus leckere Süßspeise mit interessanter Namensgebung aus einem streng geheimgehaltenen Rezept mit Bisquitteig und Puddingfüllung.
131km und 1.770hm standen nach der Tour auf dem Garmin. Eigentlich genug, aber mein Gastgeber hatte für den Abend noch ein Treffen mit drei Freeridern aus Chieti ausgemacht, die zu einem „bayerischen Oktoberfest“ nach Pescara kurbeln wollten. Die drei erwiesen sich als liebenswerte Spaßvögel, die vorzugsweise im Drift bzw. auf dem Hinterrad unterwegs waren. Zwischendurch gab es Tempoeinlagen mit über 40 Sachen durch den Abendverkehr.  Über den richtigen Weg zum Bierfest wurde häufig diskutiert, aber letztendlich fanden wir die Lokalität doch. Nach einem italienischen Weizenbier in einem 0,3l (!) Glas machte ich dann die 200km für diesen Tag voll.

Samstag morgen wurde ich in Francavilla von einer Rennradgruppe älteren Semesters abgeholt, angeführt vom „Capitano“, einem 67-jährigen Arzt mit zahlreichen Amateursiegen, der ein zügiges Tempo anschlug und den niemand überholen durfte. Trotz kräftigen Gegenwinds auf der Rückfahrt auf der Küstenstrasse fuhr er alles von vorne. Die Gruppe war hochkarätig besetzt: neben einem Rechtsanwalt mit feinstem Carbonmaterial, der seit 20 Jahren Triathlonwettkämpfe bestreitet, fuhr auch ein Carabinieri mit, der überraschenderweise keinerlei Anstoß daran nahm, dass wir sämtliche rote Ampeln (kontrolliert) ignorierten. Eine recht ungewöhnliche Erfahrung für mich. 😉

stravatorteSamstag abend fand dann die besagte „STRAVA-Party“ bei Ciaspone zu Hause statt. Er hatte zwei Dutzend befreundete STRAVA-Nutzer aller Alters- und Leistungsklassen eingeladen und tischte ein typisch italienisches mehrgängiges Menü auf. Alles war so lecker, dass ich nach den Vorspeisen eigentlich schon satt war. Als Hauptgericht gab es Arrosticini, eine Spezialität aus den Abruzzen: Schaffleisch wird in kleine Würfel geschnitten, mit Olivenöl bestrichen und auf Holzspießen gegrillt. Davon isst man dann nicht zwei oder drei, sondern zwanzig oder dreißig… Dass ich mich zwischendurch beim Tischfußball ordentlich blamiert habe, wurde zur Nebensache, als Massimo, ein rennradfahrender Eismeister, das Highlight der Dessertvariationen präsentierte: Eine STRAVA Eistorte. Schmeckte noch besser, als sie aussah! Die übrigen Kuchen etc. musste ich mir fürs Frühstück einpacken lassen.

Sonntag vormittag dann die Abschlußfahrt: eine Bikerunde mit einigen supernetten Jungs von A.S.D. BIKEPRO CHIETI SCALO, einem MTB-Team um BIKEPRO Shop-Inhaber Ivan Capone. Der Chef war auch mit am Start und zu zehnt ging es diesmal auf Stollenreifen in den Majella National-Park. Steinige Karrenwege und flowige Singletrails, genau das Richtige für mein Camber. Das Grunzen eines Wildschweines wurde auch vernommen, aber das Borstenvieh blieb zum Glück in Deckung. Auf dem Heimweg lud mich dann Davide spontan zu sich zum Essen ein und bewirtete mich reichlich mit zahlreichen lokalen Spezialitäten. Überhaupt war die Herzlichkeit und Gastfreundschaft, die mir in den Abruzzen ausnahmslos begegnete, bemerkenswert. Mille Grazie!

Abruzzen statt Allgäu

In meinem Innersten bin ich ja ein halber Italiener. Schon als Kind regelmäßig mit den Eltern dort im Urlaub gewesen zieht es mich nach wie vor nach „Bella Italia“. Klima, Landschaft, Leute und nicht zuletzt das gute Essen üben eine magische Anziehungskraft aus. Und dann ist Italien ja auch noch das Mutterland des klassischen Radsports. Deswegen fand der Familienurlaub heuer in Francavilla al Mare südlich von Pescara an der Adriaküste in der Region Abruzzen statt.
francavillaDieses Jahr nahm ich kein Rennrad sondern ein MTB mit, auch wenn ich mangels brauchbarer Offroad-Tracks vorwiegend auf Asphalt fahren wollte. Die Nebenstraßen in den Abruzzen weisen nämlich gerne die eine oder andere Überraschung in Form von Sand, Rillen, Absätzen und Schlaglöchern auf, die das Fahren mit den dünnen Rennradreifen etwas anstrengend machen. Gewohnt haben wir im Hotel Punta de l‘ Est direkt am Strand. Ein kleines, familiär geführtes Haus mit freundlichem Personal, einem Radschuppen mit Werkstatt und ausgezeichneter, typisch italienischer Küche, was sich bei mir auch prompt gewichtstechnisch „positiv“ auswirkte. Unter den Gästen waren hauptsächlich Italiener und nur wenige Deutsche, die aber nicht unangenehm auffielen. Das Frühstück konnte mit freiem Blick zur Küstenstraße eingenommen werden, wo im Minutentakt Rennradfahrer vorbei rollten, einzeln oder in kleinen oder größeren Gruppen, ausnahmslos in schicken einheitlichen Trikot-Hosen-Kombinationen auf bitzblanken Rennmaschinen, von nagelneuem Hightech bis zu Rädern aus der Zeit Fausto Coppis im Originalzustand. Unter den Radfahrern waren auffallend viele Senioren bis weit über 60, aber auch Kinder und Jugendliche mit Trainer auf dem Rad oder mit Begleitfahrzeug. Sehr schön anzusehen und die Stylepolice hat hier absolut keinen Auftrag.
Selber gefahren bin ich natürlich auch, kleine Runden von 2-3 Stunden, und wenn man sich mal ein wenig auf der Karte orientiert hat, findet man viele schöne Nebensträsschen, die hinauf zu zahlreichen kleinen Ortschaften auf 200 – 300m hoch gelegenen Hügeln führen: Miglianico, Ripa Teatina, Bucchanicio, Villamagna etc. sind nicht nur klingende Namen sondern sehenswerte Vertreter dieser Art mit alten Ortskernen, engen Gassen und schönen Ausblicken. Radfahrer trifft man dort allerdings kaum. Die Mehrheit der Italiener fährt lieber an der Küste entlang oder auf den überwiegend flachen Hauptstraßen im Tal. Die Einheimischen, die ich dort getroffen habe, waren alle sehr freundlich, gesprächig und relaxed, obwohl ich ja auf einem MTB unterwegs war. Kein Vergleich mit so manchem hiesigen Rennradfahrer, für den es die Höchststrafe zu sein scheint, wenn ein MTB-Fahrer in seinem Windschatten mitrollt, oder ihn gar überholt.

Musik: 2Inventions – Lonelyness

Ganz besonders gefreut hat mich die Bekanntschaft mit Valentino Ciaspone, einem sehr sympatischen und hilfsbereiten Local aus Torrevecchia, dem ich beim Intervalltraining einen örtlichen Strava KOM „gestohlen“ hatte, der deshalb Kontakt mit mir aufnahm und der mich am letzten Urlaubstag im Hotel mit vier netten Kollegen vom MTB Team Bike Pro Chieti zu einer tollen und unterhaltsamen Trail-Tour abholte. So kam ich nach 12 Straßeneinheiten doch noch zu einer richtigen Bike-Runde. Mille Grazie! Wer mit dem MTB in der Gegend von Pescara ist, kann sich gerne mit ihm unter ciaspone@tin.it in Verbindung setzen.