Zwift Team-Weltmeister 2017

Zum dritten Mal nach 2015 und 2016 wurden am 25.11.2017 die „Trade Team Worlds“ auf Zwift ausgetragen, eine Team-Weltmeisterschaft in den Leistungskategorien A, B, C und D. Die höchste Klasse A musste 4 Runden auf der Watopia 8 Runde fahren: 121km mit 1.020hm. Pro Team waren maximal 6 Fahrer zugelassen, die drei Bestplatzierten zählten für das Ergebnis. Ich startete für eines der drei „VISION“ A-Teams.

Nachdem hier die weltweit besten „Zwifter“ gemeldet hatten war klar, dass es für mich weder um eine vordere Platzierung ging, noch dass ich in der Lage sein würde, die Top-Fahrer meines Teams zu unterstützen. Gutes Pacing war angesagt: Nicht zu schnell starten und bis zum Ende durchhalten, denn die meisten Zwifter sind Rennen dieser Länge nicht gewohnt. Während des Rennens waren wir wie die Profis per Team-Funk auf einem Discord-Kanal miteinander verbunden und konnten uns über Rennsituation und  Taktik austauschen.

Wie erwartet trennte sich bereits am ersten Anstieg nach 7km die Spreu vom Weizen und eine ca. 60-köpfige Spitzengruppe setzte sich ab. Ich konnte mich mit ca. 20 anderen in der ersten Verfolgergruppe halten und zum Glück waren sich alle einig, dass wir über die lange Distanz am besten damit fahren, wenn wir ein gleichmäßiges Tempo anschlagen und an den Anstiegen nicht über 5w/kg pacen. So hielten wir den Rückstand auf die Spitze in Grenzen und sammelten zahlreiche Fahrer auf, die daraus zurückfielen.

Eine Schrecksekunde gab es dann nach 71km: die Internetverbindung brach zusammen und für 40 Sekunden war ich alleine auf der Strecke. Als die Verbindung wieder stand, hatte ich 10 Sekunden Rückstand auf die Gruppe, normalerweise uneinholbar. Mit einem Kraftakt konnte ich doch noch aufschließen, musste dabei aber einige Körner lassen. Meinem Teamkollegen Steve Fleetwood (Großbritannien), der zuvor einen sehr starken Eindruck gemacht hatte, gelang das leider nicht und er fiel weit zurück.

Am letzten Anstieg konnten sich einige Fahrer etwas absetzen, aber dank eines aufgesparten Aero-Powerups platzierte ich mich im Schlusssprint mit 3:12min Rückstand auf den Sieger Justin Wagner (USA, Team ODZ) auf Platz 33 von 166 A-Fahrern.

Top-Ergebnis für mich, aber letztendlich völlig uninteressant, denn Philipp Diegner (Deutschland), Jeffrey Kriel (Australien) und Adam Webb (Großbritannien) erkämpften sich mit den Plätzen 2, 3 und 6 den Weltmeistertitel für unser Team VISION in der A-Kategorie! Großen Anteil daran hatte auch Duane Gran (USA) auf Platz 15. Teamchef Quentin Lavaye (FRA) komplettierte auf Platz 31 unserer Top-Ergebnis. Die Freude im Team war riesengroß, insbesondere da wir keine „Superstars“ in unseren Reihen haben und uns dementsprechend zuvor nur Außenseiterchancen eingeräumt worden waren.

Rennen fahren auf Zwift in einem Team ist eine ganz besondere Erfahrung, die ich jedem absolut empfehlen kann. 🙂

STRAVA-Link zum Rennen (121,2km, 2:45:01min, 1.020hm)

 

Zwift – New London extension – First look

Zwift hat mit einem Update gestern u.a. eine neue Erweiterung der London-Strecken eingebaut: 7,6km lang und bis auf ein paar 3%er durchgehend flach. Enthalten ist die Erweiterung in drei neuen Kursen: Great London 8 (23,8km, 277hm), Greater London Loop (21,2km, 257hm) und The London Pretzel (55,7km, 574hm). Den ersten Kurs bin ich heute mal abgefahren. Die neuen Strassen und Gebäude sind ganz nett, aber nichts wirklich Neues, mit Ausnahme einer blauen Radspur auf einem Teilstück. Was wirklich neu ist sind Zuschauer und Passanten links und rechts. Einige laufen auf dem Bürgersteig hin und her, die meisten stehen still und schauen auf die Strasse. Das wirkt ein bisschen steif, die könnten etwas mehr Begeisterung zeigen. Man hört wohl auch Anfeuerungsrufe von den Zuschauern, ich hatte allerdings den Game-Sound zu leise eingestellt. Ziemlich merkwürdig ist die Regenschirmhaltung der Passanten bei Niederschlag: Die bewegen den Schirm vor sich auf und ab, anstatt ihn über den Kopf zu halten… 😉 Naja, wollen wir mal nicht zu streng sein. Ich bin mir sicher, dass da noch nachgebessert wird.

Zwift Vulcano KOM First Look

Zwift  hat mit dem heutigen Update eine 8,2km lange Erweiterung der Vulcano-Strecke geöffnet. Sie schlängelt sich zunächst über 3,9km und 130hm mit durchschnittlich 5% Steigung, einem flachen Mittelstück im Berg und schönen Ausblicken auf die Insel um den Vulkan herum bis auf dessen Spitze, umrundet sie und verläuft auf dem selben Weg zurück. Der Einstieg liegt in der Linkskehre des ersten kleinen Anstiegs auf der Vulcano Flat Runde (im Uhrzeigersinn). Fährt man in der Kehre geradeaus, ist man auf der Erweiterung. Am Ende des Anstieg nach der steilsten Stelle mit knapp 10% Steigung erreicht man ein Ziel-Banner, an dem die Segmentwertung „Vulcano KOM“ abgenommen wird.

First Look: Watopia Vulcano

Seit heute morgen ist die langerwartete Vulcano-Erweiterung auf dem Zwift Watopia Kurs per Update online. Die Abzweigung liegt im italienischen Dorf vor der Sprintwertung (alternativ U-Turn nach dem Login und rechts abbiegen nach dem ersten Tunnel). Nach 1.5km Anfahrt kommt man auf einen weitgehend flachen 4,2km langen Rundkurs (rechts halten) mit neuer Rundenzeitwertung und Rundenzähler, ideal für Rundstreckenrennen. Zweimal fährt man auf der Runde in den Berg hinein und zwischen brodelndem Lava hindurch. Es gibt auch drei neue Achivements für 5, 10 und 25 Runden. Aus der Heliperspektive kann man eine weitere noch gesperrte Strecke, die außen den Berg hinauf führt, erkennen. More things to come. 🙂

Zwift – Iron Goat Series – Gesamtsieg

igs-logoDie meisten Rennen auf Zwift sind zu kurz und zu flach. 40 – 60 Minuten am Anschlag sind nix für einen alten Mann. Zum Glück gab es im Herbst/Winter 2016 die Iron Goat Series, ein Wettbewerb aus 16 Rennen mit dem Schwergewicht auf langen Distanzen und vielen Höhenmetern. Bei 10 Veranstaltungen war ich in der B-Kategorie (FTP unter 4 w/kg) am Start. Einmal wurde ich fehlgeleitet, einmal wurde das Rennen wegen Netzstörungen neutralisiert. Nach zwei Siegen, zwei zweiten, zwei dritten und einem vierten Platz war die Ausgangslage vor dem letzten Rennen spannend: Mit acht Punkten Vorsprung lag ich vor dem Spanier Alex Callejo (Team PTz) in Führung. Der hatte mich im direkten Duell bisher immer geschlagen und in den letzten Wochen fast jedes B-Rennen auf Zwift gewonnen. Mit einem Sieg hätte er mich eingeholt, sofern ich nicht selbst gepunktet hätte. Ziel war also Platz 6 (1 Punkt), um alles klar zu machen.

Das letzte Rennen verlief über 4 Runden auf dem London Loop Kurs, d. h.  viermal den Box Hill Climb hinauf (60km mit 830hm). Callejo setzte sich bereits in der zweiten Runde am Berg ab, aber trotz Unterstützung seines Teamkollegens Bruno Vieira  (A-Klasse) gelang es ihm nicht, den zuvor ausgerissenen Grzegorz Zaranko (Team Poland) einzuholen. Dahinter konnte ich in der immer kleiner werdenden Verfolgergruppe den dritten Platz in der B-Klasse absichern. Damit war der Gesamtsieg im Kasten. 🙂

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Die IGS Serie wird leider nicht fortgeführt. Stattdessen hat Organisator Rob Bolt das neue Rennformat Bolt Race Series (BRS) aufgestellt, einer interessanten Kombination aus Einzelzeitfahren, langen bergigen Rennen und kurzen Kriterien. Zumindest bei den ersten beiden Wettbewerben werde ich möglichst oft am Start sein. Hope to see you there!  🙂

Wer Zwift noch nicht kennt, kann mir übrigens auf beam.pro live zusehen.

Zwift Indoor Cycling

Über die Indoor Cycling Plattform Zwift habe ich ja bereits hier berichtet. Seit Anfang November 2015 hat Zwift nun die Beta-Version verlassen und kostet jetzt 10 US-Dollar im Monat. Eine Trial-Version über 50km ist kostenlos. STRAVA-Premium-Mitglieder erhalten 2 Monate umsonst. Der Preis lohnt. Abgesehen davon, dass es jetzt sogenannte Workouts, d. h. detaillierte Trainingsprogramme, wie z.B. mehrwöchige Aufbauprogramme, FTP-Tests etc. gibt, boomt die Plattform ungemein. Jeden Tag gibt es Gruppenausfahrten und Rennen (Kalender). Am vergangenen Samstag waren bei einem 5-stündigen Event mit den Pros vom Team MTN Qhubeka permanent rund 600 Fahrer auf der Strecke.

Die Zwift-Programmierer sind sehr rührig und arbeiten ständig an Verbesserungen und Erweiterungen. Es gibt immer mehr individuelle Team-Kits, Streckenerweiterungen sind in Vorbereitung und sie haben Zeit und Muse für liebenswerte Details. So wurde zum amerikanischen Thanksgiving Day der Zwift-Zeppelin auf dem Watopia Rundkurs durch einen riesigen Truthahn ersetzt.

US-MTB-Pro Nathan Guerra broadcastet regelmäßig live und unterhaltsam Rennen und Events wie z.B das Dienstags-Abend-Rennen am 26.11.15. Die Zwift Riders Gruppe bei Facebook ist auf über 7.000 Mitglieder angewachsen und es gibt auch bereits einen deutschen Ableger. Der erste (englischsprachige) Zwift-Podcast ging auch bereits auf Sendung. Probiert es mal aus. Rolle fahren war noch nie so spannend, effektiv, unterhaltsam und sozial.

Zwift beta

Es herbstelt, draußen ist es kalt, naß und es wird früh dunkel, kurzum die Rollentrainer-Saison beginnt. Auf der Rolle zu fahren ist nicht Jedermanns Sache, das Landschaftserlebnis fehlt, die Zeit vergeht nicht und man schwitzt wie S**. Abhilfe versprechen seit einigen Jahren interaktive Rollentrainer mit PC-Anbindung. Bisher war und bin ich diesbzgl. mit der Tacx-Software TTS 3 und 4, bzw. in der Indoor Bike League aktiv. Aber die interaktiven Rollentrainer boomen und mit ihnen entsprechende herstellerübergreifende Online-Angebote wie z. B. Zwift aus Longbeach/California.

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Das A und O wie im echten Leben: Windschattenfahren

Derzeit noch in der (kostenlosen) Beta-Version bietet diese Software für PC und Mac aktuell zwei abwechselnd fahrbare Rundkurse (darunter den WM-Kurs 2015 in Richmond) an, auf denen man mit einem animierten Rennradfahrer-Avatar rund um die Uhr mit Gleichgesinnten weltweit um die Wette kurbeln kann.

Neben einem PC oder Mac und einem USB ANT+ Dongle braucht man alternativ
a) einen kompatiblen Rollentrainer mit Leistungsdatenübertragung per ANT+ (z. B. Wahoo KICKR, Tacx Smart Neo)
b) einen beliebigen Rollentrainer und ein ANT+ Powermeter am Rad (z. B. Stages, Garmin Vector, SRM etc.)
c) einen beliebigen Rollentrainer und einen ANT+ Geschwindigkeitssensor am Rad (z. B. den GSC10 von Garmin)
d) optional einen ANT+ Brustgurt für die Pulsmessung

Bei der Variante a) regelt Zwift den Widerstand der Rolle je nach Steigung/Gefälle, in den Varianten b) und c) bleibt der Widerstand gleich und Zwift berechnet die Geschwindigkeit anhand Leistung, Geschwindigkeit, Fahrergewicht etc. virtuell. 

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Eine der zahlreichen Ansichtseinstellungen

Es gibt Segmente (Sprints, Bergwertungen) und Rundenwertungen mit entsprechenden Klassements. Seinen virtuellen Avatar kann man mit fortschreitender Kilometerleistung „pimpen“. Zahlreiche Trikots, Bikes und Laufräder können „erfahren“ werden.

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Belohnung für 3 Stunden Schinderei: ein Spezial-Trikot

Während der Fahrt kann man über den Computer oder mittels kostenloser „Zwift Mobile Link“ App (IOS und Android) mit seinen Kollegen chatten, sie anklingeln und beglückwünschen, seinen Avatar grüßen oder mit dem Ellenbogen zum Führungswechsel auffordern lassen. Nice.

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Group-Ride – Mit der Meute unterwegs

Nahezu täglich gibt es „Group Rides“, auf denen man vom Windschatten einer größeren Gruppe profitieren bzw. ein virtuelles Rennen in einem großen Feld fahren kann. Daneben finden zahlreiche spezielle Veranstaltungen statt. Am 01.11.2015 steigt z. B. das „Zwift Team World Event„, ein Rennen, bei dem man für sein „Nationalteam“ startet. Die gefahrenen Einheiten lassen sich automatisch zu STRAVA hochladen oder als fit-Dateien zur Verwendung in anderen Portalen herunterladen.

So siehts dann bei einem Zwift Rennen aus:

Insgesamt eine äußerst spassige Sache, die für jede Menge Abwechslung und Motivation auf der Rolle sorgt. Der besondere Reiz von Zwift liegt darin, dass zum einen immer zahlreiche andere Fahrer(innen) auf dem Kurs unterwegs sind (bei meinen bisherigen Rides waren es jeweils zwischen 50 und 200) und dass man Dank der gelungenen Umsetzung des Windschattenfahrens (fast) ein echtes Gruppentrainingsfeeling erlebt. Ausprobieren lohnt sich auf jeden Fall und man darf gespannt sein, was sich die umtriebigen Zwift-Programmierer noch alles für die finale Version einfallen lassen.
Und wer meint, das Ganze sei ein Computer-Spiel ohne Trainingseffekt, wird sehr schnell eines Besseren belehrt, denn hier sind neben Freizeitfahrern auch zahlreiche Top-Athleten unterwegs, denen man kaum im Windschatten folgen kann.

Nützliche Links:
– Offizieller Zwift Youtube-Channel
– Zwift Riders – Gruppe bei facebook
– Inoffizielles Zwift Manual
– Group Rides Kalender