Rouvy Indoor Cycling

Trotz all der Zwift-Hype, die derzeit grassiert, lohnt sich ein Blick auf alternative Indoor-Trainingssoftware, z. B. Rouvy. Hier fährt man nicht in virtuellen Welten, sondern per Video echte Strecken nach, wobei das Video so schnell oder langsam abläuft, wie man selbst tritt. Bei Verwendung eines Smart-Trainers passt sich der Widerstand wie bei Zwift dem Gelände an. Die errechneten Geschwindigkeiten kommen dem Fahrerlebnis draußen recht nahe, nur die abrupten Änderungen beim Steigungswechsel könnten etwas harmonischer sein.

Vorteil: Man sieht und fährt Strecken, die man vielleicht schon mal gefahren ist, fahren will, oder die man sich anschauen will, ohne dorthin reisen zu müssen. Die meisten Klassiker wie Alp d’Huez, das Stilfser Joch oder die Sella-Runde können so von zu Hause aus erkundet werden. Man kann auch eigene Strecken erstellen – mit eigenen GPS-Daten und eigenen Videoaufnahmen. Über 1.500 Strecken (nicht alle mit Video) stehen aktuell zur Auswahl und es werden täglich mehr. Auch dutzende von Workouts sind verfügbar, darunter solche für die legendären Sufferfest-Videos oder von Hunter Allens Peak Coaching Group.

Nachteil: Der „Game“-Effekt von Zwift fehlt. Es gibt keine Avatare, keine Materialauswahl, keine Leadertrikots und keine Powerups. Man fährt grundsätzlich alleine. Windschattenfahren entfällt. Man kann sich zwar im „Rennmodus“ mit Zeiten anderer Rouvy-Nutzer messen und bei (sehr schwach besuchten) Online-Rennen in Echtzeit gegen andere Rouvy-Nutzer antreten, mit dem sozialen Aspekt von Zwift (Chatten, Gruppen-Ausfahrten, Team-Events, Rennen etc.) kann Rouvy aber bei Weitem nicht mithalten.

Dafür gibt es ein Trainingstagebuch, in welches auch andere Einheiten außerhalb von Rouvy geladen werden können, einen Karrieremodus und permanente Challenges mit Gewinnspielen. Z. B. wird derzeit ein Wahoo Kickr mit der Wahoo Climb Erweiterung verlost. Eine ausführliche Analyse der Trainingsdaten ist ebenso enthalten wie der (auf Wunsch) automatische Export zu anderen Trainingsplattformen wie STRAVA oder TrainingPeaks.

So sieht die umfangreiche Auswertung einer Fahrt aus:

Was Rouvy für mich interessant macht, ist die Möglichkeit, richtig lange Anstiege (Pässe) nachzufahren. Zwift hat derzeit nur den Radio-Tower-Climb mit schlappen 550 Höhenmetern zu bieten. Und es ist durchaus reizvoll, prominente Strecken zu erkunden, die man noch nicht kennt, bzw. auf die man sich für ein Event „in real life“ vorbereiten möchte. Train on Rouvy, race on Zwift. 😉

Rouvy kostet derzeit mindestens 8 EUR monatlich und ist verfügbar für Windows-PC, IOS und Android. Es kann zwei Wochen lang gratis ausprobiert werden. Für das Gebotene, insbesondere die zahlreichen Strecken-Videos, ein m. E. angemessener Preis.

ZwiftQuest is back!

ZwiftQuest, die virtuelle Schnitzeljagd auf Zwift, ist wieder da. Die Regeln klingen einfach: Man muss so schnell wie möglich von einem festgelegten Startpunkt zu einem festgelegten Endpunkt fahren und dabei einige vorgegebene Punkte irgendwo auf Watopia, London oder Richmond passieren. Die Reihenfolge ist beliebig, d. h. man muss sich die Strecke am besten vorher selbst zurechtlegen und unterwegs manuell abbiegen (gar nicht so einfach unter Maximalpuls), denn natürlich liegen die Punkte nicht alle auf einer der Standardstrecken. Witzige Sache, die nicht nur Bein- sondern auch ein bisschen Kopfarbeit verlangt. Die Quests laufen immer über ein paar Tage und man kann sie fahren wann und wie oft man will. Die aktuelle Quest läuft noch bis zum 07.01.2018. Für die Teilnahme sind ein verknüpfter STRAVA-Account und ein vorgegebener Hashtag erforderlich. Probiert es aus!

Zwift Team-Weltmeister 2017

Zum dritten Mal nach 2015 und 2016 wurden am 25.11.2017 die „Trade Team Worlds“ auf Zwift ausgetragen, eine Team-Weltmeisterschaft in den Leistungskategorien A, B, C und D. Die höchste Klasse A musste 4 Runden auf der Watopia 8 Runde fahren: 121km mit 1.020hm. Pro Team waren maximal 6 Fahrer zugelassen, die drei Bestplatzierten zählten für das Ergebnis. Ich startete für eines der drei „VISION“ A-Teams.

Nachdem hier die weltweit besten „Zwifter“ gemeldet hatten war klar, dass es für mich weder um eine vordere Platzierung ging, noch dass ich in der Lage sein würde, die Top-Fahrer meines Teams zu unterstützen. Gutes Pacing war angesagt: Nicht zu schnell starten und bis zum Ende durchhalten, denn die meisten Zwifter sind Rennen dieser Länge nicht gewohnt. Während des Rennens waren wir wie die Profis per Team-Funk auf einem Discord-Kanal miteinander verbunden und konnten uns über Rennsituation und  Taktik austauschen.

Wie erwartet trennte sich bereits am ersten Anstieg nach 7km die Spreu vom Weizen und eine ca. 60-köpfige Spitzengruppe setzte sich ab. Ich konnte mich mit ca. 20 anderen in der ersten Verfolgergruppe halten und zum Glück waren sich alle einig, dass wir über die lange Distanz am besten damit fahren, wenn wir ein gleichmäßiges Tempo anschlagen und an den Anstiegen nicht über 5w/kg pacen. So hielten wir den Rückstand auf die Spitze in Grenzen und sammelten zahlreiche Fahrer auf, die daraus zurückfielen.

Eine Schrecksekunde gab es dann nach 71km: die Internetverbindung brach zusammen und für 40 Sekunden war ich alleine auf der Strecke. Als die Verbindung wieder stand, hatte ich 10 Sekunden Rückstand auf die Gruppe, normalerweise uneinholbar. Mit einem Kraftakt konnte ich doch noch aufschließen, musste dabei aber einige Körner lassen. Meinem Teamkollegen Steve Fleetwood (Großbritannien), der zuvor einen sehr starken Eindruck gemacht hatte, gelang das leider nicht und er fiel weit zurück.

Am letzten Anstieg konnten sich einige Fahrer etwas absetzen, aber dank eines aufgesparten Aero-Powerups platzierte ich mich im Schlusssprint mit 3:12min Rückstand auf den Sieger Justin Wagner (USA, Team ODZ) auf Platz 33 von 166 A-Fahrern.

Top-Ergebnis für mich, aber letztendlich völlig uninteressant, denn Philipp Diegner (Deutschland), Jeffrey Kriel (Australien) und Adam Webb (Großbritannien) erkämpften sich mit den Plätzen 2, 3 und 6 den Weltmeistertitel für unser Team VISION in der A-Kategorie! Großen Anteil daran hatte auch Duane Gran (USA) auf Platz 15. Teamchef Quentin Lavaye (FRA) komplettierte auf Platz 31 unserer Top-Ergebnis. Die Freude im Team war riesengroß, insbesondere da wir keine „Superstars“ in unseren Reihen haben und uns dementsprechend zuvor nur Außenseiterchancen eingeräumt worden waren.

Rennen fahren auf Zwift in einem Team ist eine ganz besondere Erfahrung, die ich jedem absolut empfehlen kann. 🙂

STRAVA-Link zum Rennen (121,2km, 2:45:01min, 1.020hm)

 

Zwift – New London extension – First look

Zwift hat mit einem Update gestern u.a. eine neue Erweiterung der London-Strecken eingebaut: 7,6km lang und bis auf ein paar 3%er durchgehend flach. Enthalten ist die Erweiterung in drei neuen Kursen: Great London 8 (23,8km, 277hm), Greater London Loop (21,2km, 257hm) und The London Pretzel (55,7km, 574hm). Den ersten Kurs bin ich heute mal abgefahren. Die neuen Strassen und Gebäude sind ganz nett, aber nichts wirklich Neues, mit Ausnahme einer blauen Radspur auf einem Teilstück. Was wirklich neu ist sind Zuschauer und Passanten links und rechts. Einige laufen auf dem Bürgersteig hin und her, die meisten stehen still und schauen auf die Strasse. Das wirkt ein bisschen steif, die könnten etwas mehr Begeisterung zeigen. Man hört wohl auch Anfeuerungsrufe von den Zuschauern, ich hatte allerdings den Game-Sound zu leise eingestellt. Ziemlich merkwürdig ist die Regenschirmhaltung der Passanten bei Niederschlag: Die bewegen den Schirm vor sich auf und ab, anstatt ihn über den Kopf zu halten… 😉 Naja, wollen wir mal nicht zu streng sein. Ich bin mir sicher, dass da noch nachgebessert wird.

Zwift Vulcano KOM First Look

Zwift  hat mit dem heutigen Update eine 8,2km lange Erweiterung der Vulcano-Strecke geöffnet. Sie schlängelt sich zunächst über 3,9km und 130hm mit durchschnittlich 5% Steigung, einem flachen Mittelstück im Berg und schönen Ausblicken auf die Insel um den Vulkan herum bis auf dessen Spitze, umrundet sie und verläuft auf dem selben Weg zurück. Der Einstieg liegt in der Linkskehre des ersten kleinen Anstiegs auf der Vulcano Flat Runde (im Uhrzeigersinn). Fährt man in der Kehre geradeaus, ist man auf der Erweiterung. Am Ende des Anstieg nach der steilsten Stelle mit knapp 10% Steigung erreicht man ein Ziel-Banner, an dem die Segmentwertung „Vulcano KOM“ abgenommen wird.

First Look: Watopia Vulcano

Seit heute morgen ist die langerwartete Vulcano-Erweiterung auf dem Zwift Watopia Kurs per Update online. Die Abzweigung liegt im italienischen Dorf vor der Sprintwertung (alternativ U-Turn nach dem Login und rechts abbiegen nach dem ersten Tunnel). Nach 1.5km Anfahrt kommt man auf einen weitgehend flachen 4,2km langen Rundkurs (rechts halten) mit neuer Rundenzeitwertung und Rundenzähler, ideal für Rundstreckenrennen. Zweimal fährt man auf der Runde in den Berg hinein und zwischen brodelndem Lava hindurch. Es gibt auch drei neue Achivements für 5, 10 und 25 Runden. Aus der Heliperspektive kann man eine weitere noch gesperrte Strecke, die außen den Berg hinauf führt, erkennen. More things to come. 🙂

Zwift – Iron Goat Series – Gesamtsieg

igs-logoDie meisten Rennen auf Zwift sind zu kurz und zu flach. 40 – 60 Minuten am Anschlag sind nix für einen alten Mann. Zum Glück gab es im Herbst/Winter 2016 die Iron Goat Series, ein Wettbewerb aus 16 Rennen mit dem Schwergewicht auf langen Distanzen und vielen Höhenmetern. Bei 10 Veranstaltungen war ich in der B-Kategorie (FTP unter 4 w/kg) am Start. Einmal wurde ich fehlgeleitet, einmal wurde das Rennen wegen Netzstörungen neutralisiert. Nach zwei Siegen, zwei zweiten, zwei dritten und einem vierten Platz war die Ausgangslage vor dem letzten Rennen spannend: Mit acht Punkten Vorsprung lag ich vor dem Spanier Alex Callejo (Team PTz) in Führung. Der hatte mich im direkten Duell bisher immer geschlagen und in den letzten Wochen fast jedes B-Rennen auf Zwift gewonnen. Mit einem Sieg hätte er mich eingeholt, sofern ich nicht selbst gepunktet hätte. Ziel war also Platz 6 (1 Punkt), um alles klar zu machen.

Das letzte Rennen verlief über 4 Runden auf dem London Loop Kurs, d. h.  viermal den Box Hill Climb hinauf (60km mit 830hm). Callejo setzte sich bereits in der zweiten Runde am Berg ab, aber trotz Unterstützung seines Teamkollegens Bruno Vieira  (A-Klasse) gelang es ihm nicht, den zuvor ausgerissenen Grzegorz Zaranko (Team Poland) einzuholen. Dahinter konnte ich in der immer kleiner werdenden Verfolgergruppe den dritten Platz in der B-Klasse absichern. Damit war der Gesamtsieg im Kasten. 🙂

igs-gc-794

Die IGS Serie wird leider nicht fortgeführt. Stattdessen hat Organisator Rob Bolt das neue Rennformat Bolt Race Series (BRS) aufgestellt, einer interessanten Kombination aus Einzelzeitfahren, langen bergigen Rennen und kurzen Kriterien. Zumindest bei den ersten beiden Wettbewerben werde ich möglichst oft am Start sein. Hope to see you there!  🙂

Wer Zwift noch nicht kennt, kann mir übrigens auf beam.pro live zusehen.